Skitouren im Pflerschtal

Ich stand mit Michaels großen blauen Bus mutterseelenallein auf einem einsamen Parkplatz vor einem Gasthof „Wolf“, irgendwo kurz vor der österreichisch-italienischen Grenze. Zugehöriger Busbesitzer lag leider im Südtiroler Hotelbett und muss seine Grippe auskurieren.

 

Nachdem ich langsam doch etwas unsicher wurde, erreichte mich ein Anruf von Jürgen. Schlechter Empfang, ich verstand nur: „Falscher Parkplatz, zurück, Brenner, anderes Gasthaus“ und flitzte zurück Richtung Italien. Langsam wurde ich nervös: Die mit der kürzesten Anreise kommt zu spät. Die Aufregung legte sich jedoch schlagartig, als am Parkplatz des „richtigen“ Gasthof Wolf sieben lachende Gesichter warteten, die mich herzlich in Empfang nahmen. Tourenführer Jürgen war gemeinsam mit Barbara, Johannes, Hans, Jessi, Robert und Roland früh morgens im Bayerwald gestartet, um unterwegs, direkt auf dem Brenner, „noch schnell“ einen Gipfel mit zu nehmen. Das ist gut gesagt, denn der Wolfendorn ist mit fast 1400 Höhenmetern im Aufstieg und einigen technischen Schwierigkeiten unterwegs ein durchaus ambitioniertes Tourenziel für den ersten Tag. Doch die leichte Aufregung legte sich rasch bei einem netten Ratsch und die Stimmung stieg mit den gewonnenen Höhenmetern. Allerdings tauchten auch die ersten Schwierigkeiten auf: ein eisiger Steilhang bereitete Johannes und mir Probleme, es hielten weder Kanten noch Bindung! Aber wie immer, wenn es in irgendeiner Form „hakelte“ war Roland mit moralischer und tatkräftiger Unterstützung zur Stelle. Mit seiner hilfsbereiten Art hätte er sich im Laufe der vier Tage noch mehr spendierte Feierabendbiere verdient, als man in einem Aktiv-Urlaub trinken kann (bzw. sollte)! Der weitere Aufstieg verlief problemlos über kupiertes Gelände bis zum beeindruckenden Gipfelaufbau. Roland spurte bedächtig voraus, während Jessi ein Intensiv-Spitzkehrentraining mit Jürgen absolvierte und ehe man sich versah war auch schon das Gipfelkreuz erkennbar. Während die Meisten an dieser Stelle genug von Kickkehren im Sulzschnee hatten und die letzten Meter in leichtem Blockgelände zurücklegten, weigerten sich Jürgen, Barbara und Johannes konsequent, Ski zu tragen. Beflügelt durch die gute Laune, den Sonnenschein und Roberts Gipfel-Zirbe stürzten wir uns bergab in den steilen, felsdurchsetzten Gipfelhang. Sogar „Skitouren-Küken“ Jessi meisterte die Abfahrt mit Bravour und ab hier wartete reinster Abfahrtsgenuss auf uns. Jürgen bewies wieder einmal sein untrügliches Näschen für „die perfekte Line“ von Firn bis Pulverschnee. Zurück am Parkplatz entrichteten wir unsere Gebühren in Form einer Einkehr im Gasthof Wolf und lauschten dort gespannt den Geschichten des alten Wirtes, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.  

 

Angekommen am Endziel der Reise, dem Hotel Panorama im Pflerschtal, kristallisierten sich bereits erste Traditionen heraus: Feierabendbier, -cappuccino oder –spezi noch im „Skigwand“ und Einheizen von Saunameister Roland. Mit diesem Abendprogramm und dem reichhaltigen 4-Gänge-Abendessen und Frühstücksbüffet kann man nur fit in den nächsten Tag starten.

 

Jürgen hatte eine – für sein Empfinden „gemütlichere“ Tour ausgesucht: Heute stand die Maurerspitze (2628 m) auf dem Programm. Leider ohne Herrn Maurer persönlich, Michael war immer noch krank und musste wehmütig, im Hotel zurückbleiben. Dafür wurde die Gruppe durch den früh morgens angereisten Gerhard ergänzt. Den Tourenstart führte Jürgen nach dem Motto: „Die besten Abenteuer beginnen mit den Worten: Ich kenne da eine Abkürzung!“ und so gewannen wir rasch an Höhe. Leider mussten wir aufgrund von diversen Protesten auf weitere Abstecher ins Gelände verzichten und auf die deutlich komfortablere Fahrstraße umsteigen. In Anbetracht der wunderschönen Landschaft mit Ausblick weitere potenzielle Tourenziele gar keine schlechte Alternative. Der bequeme und nur leicht ansteigende Weg verleitete einige Teilnehmer zum „rasen“ und leider rauschte das Speed-Team, vermutlich im Geschwindigkeitsrausch (oder aus Angst, es könnte eine weitere Jürgen‘sche Abkürzung sein), an einer Abzweigung vorbei. Währenddessen ratschten Hans und ich uns den Weg nach oben - und ich freute mich darüber, bei den DAV-Touren Gelegenheit zu haben, mich mit so erfahrenen Bergsteigerinnen und Bergsteigern, wie ihm, Jürgen und Barbara, auszutauschen. Schlussendlich gelangten wir alle, ob auf der geplanten Tour oder über Umwege, zur Grubenalm. Mit dem ein oder anderen kurzen Sonnen-, Pipi-, Müsliriegel-, Blasenpflaster-, Auszieh-, Anzieh-, Peakfinderapp- oder Ratschpäuschen waren die insgesamt 1260 Aufstiegshöhenmeter inklusive dem einfachen aber ausgesetzten und windigen Gipfelgrat bald überwunden. Robert ging scheinbar nicht nur die gute Laune, sondern auch der Gipfelschnaps nie aus, und ein „Zirberl“ später wedelten wir, beeindruckt von Hans und Jürgens kunstvollen „Zöpferlflecht-Einlagen“, ins Tal.

 

Entgegen der Vorhersage überraschte uns am nächsten Morgen ein blauer Himmel und so gab es auch für Michael kein Halten mehr. Damit machten wir uns – dieses Mal endlich vollzählig - an die mit 1440 Höhenmetern längste Tour der Woche: die Wetterspitze (2707 m). Entlang der Rodelbahn stiegen wir gemütlich zur Allrissalm auf, an welcher sich ein traumhaftes Panorama auftut: am Ende des Allrisstal scheint der Gipfel bereits zum Greifen nah. Jedoch war an dieser Stelle noch nichts gewonnen – der Aufstieg zur Maurerspitzscharte hatte es vor allem in den letzten Metern durch steiles, vereistes Gelände in sich. An der Scharte war für die Meisten Zeit fürs Skidepot und Michael und ich spurten zu Fuß über den im Vergleich zum Vortag deutlich schwierigeren und teilwiese gefrorenen Grat voraus zum Gipfel, wo ich mich besonders über mein erstes „Gipfelbusserl“ der Woche freute – „mit dem Lieblingsskitourenpartner is halt einfach noch a bissl schöner“! Bald traf auch die restliche Truppe ein – doch einer fehlte: Gerhard, „der wuide Hund“ konnte dem interessanten Skigelände unterhalb des Gipfels einfach nicht wiederstehen und war zurück gesprintet, um mit voller Ausrüstung zurück zu kehren. Beim Abstieg war für uns wieder die volle Aufmerksamkeit bei den eigenen Füßen gefragt und so konnten wir leider nur Gerhards letzte Schwünge durch den Steilhang bewundern. Da es zunehmend ungemütlich, neblig und windig wurde beeilten wir uns, bald zu ihm aufzuschließen. Nach der dritten Abfahrt der Woche, diesmal durch eher „gemischte Bedingungen“, machten sich langsam auch die Oberschenkel bemerkbar (was allerdings auch am vergessenen Gipfelschnaps gelegen haben könnte) und wir waren froh, bald zu unserem traditionellen Wellnessprogramm übergehen zu können.

 

Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht: Schon war der letzte Tag angebrochen. Trotz der vielen Höhenmeter in den Beinen war die Euphorie der Gruppe nicht zu bremsen und der Pfannberg (2047 m) wurde als Abschlusstour auserkoren. Leider war Michaels Grippe in einen heftigen Husten übergegangen, weshalb wir diese auslassen und direkt zu Cappuccino, Eis und Pizza in Sterzing übergehen „mussten“. Wie die Tour war – müsst‘s die anderen selber fragen, oder die Bilder für sich sprechen lassen.


So verabschiedete uns Südtirol mit ein paar letzten Sonnenstrahlen und ich mich mit diesem Bericht: „Danke, schee wars – und i gfrei mi scho aufs nächste Mal!“

 

Text und Bilder von: Sabine

Aufstieg zur We...
Aufstieg zur Wetterspitze Aufstieg zur Wetterspitze
DIY-Gipfelkreuz...
DIY-Gipfelkreuz am Pfannberg DIY-Gipfelkreuz am Pfannberg
Gerhard Robert...
Gerhard  Robert auf der Maurerspitze Gerhard  Robert auf der Maurerspitze
Gipfelfoto Wett...
Gipfelfoto Wetterspitze Gipfelfoto Wetterspitze
Gipfelgrat zur ...
Gipfelgrat zur Maurerspitze Gipfelgrat zur Maurerspitze
Hans auf dem We...
Hans auf dem Weg zum Wolfendorn Hans auf dem Weg zum Wolfendorn
Jessi in der Ab...
Jessi in der Abfahrt von der Wetterspitze Jessi in der Abfahrt von der Wetterspitze
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Johannes im steilen Gelnde vor der Maurerscharte Johannes im steilen Gelnde vor der Maurerscharte
Jrgen im Aufsti...
Jrgen im Aufstieg zur Maurerspitze Jrgen im Aufstieg zur Maurerspitze
Michael Jessi ...
Michael  Jessi im Abstieg von der Wetterspitze Michael  Jessi im Abstieg von der Wetterspitze
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Robert auf dem Weg durch das Allrisstal Robert auf dem Weg durch das Allrisstal
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Roland im Gipfelhang des Wolfendorn Roland im Gipfelhang des Wolfendorn
Sabine in der A...
Sabine in der Abfahrt von der Wetterspitze Sabine in der Abfahrt von der Wetterspitze