Hochtouren Greizer Hütte im Zillertal

Michael & ich saßen in einer Bäckerei und ließen uns den ersten Kaffee schmecken. Aus Angst, aus Zeitmangel wieder darauf verzichten zu müssen, waren wir extra eine Stunde früher aufgestanden. Doch trotz dieses Zeitpuffers überholte uns das „Racing-Team“ aus dem Bayerwald – Uschi und Sigi unterwegs wieder knapp. Zumindest konnten wir unsere Verspätung dieses Mal von einer Stunde auf wenige Minuten reduzieren!


Gut, dass uns nix pressiert hat. So starteten wir gemütlich bei bestem Wetter von Ginzling in Richtung Floitental und mein Rucksack war gscheid schwer. Ich spekulierte hin & her, woran es liegen könnte und bin neidisch auf Michaels ultraleicht-ultraschnell-Ausrüstung – er gab mir den Tipp, das nächste Mal doch auch die Zahnbürste abzusägen… Die Materialseilbahn nahm das lästige Zusatzgewicht dann endlich ab und so wanderten wir mehr oder weniger gemütlich (Michael scheint den Duft des Weißbier schon gewittert zu haben und sprintet voraus) hinauf zur Greizer Hütte. Diese ist eine Alpenhütte, wie sie im Buche steht: mit urigem Charme, Ziegenglockengeläute, Hausmusik und einem etwas muffigen Hüttenwirt. Radler und Mittagessen machten wieder munter und wir starteten das Nachmittagsprogramm: auf getrennten Wegen zum gleichen Ziel – auf den Hausberg den Gigalitz, der mit 3001 m gerade noch auf die persönliche Dreitausenderliste gesetzt werden darf. Uschi und Sigi stiegen über den Normalweg direkt zum Gipfel, Michael und ich nahmen den Umweg: via die Südostkante ging es in Mehrseillängenkletterei auf den Gigalitzturm und von dort über den Grat zum höchsten Punkt. Und auch in dem Fall sind wir chancenlos: Nicht nur aufgrund unserer etwas kurz geratenen 30m-Halbseile (G‘wicht sparen, des kann er…) und dem durchwegs brüchig bis bröselige Gestein brauchten wir fast doppelt so lang – obwohl mein Lieblingskletterpartner 3 Seillängen ganz locker-lässig am gleitenden Seil vorstieg. Auch der Abstieg, den Uschi später mit einem Zwinkern als „ganz a normale Wanderung“ abtun wird, hatte es nochmal gscheid in sich und man war sich häufig nicht sicher, ob man hier noch wandert oder schon klettert! Angekommen an der Hütte mussten wir abermals feststellen, dass wir überholt wurden: Alex, der erst verspätet anreiste, war mittlerweile auch schon lange da. Und gerade noch pünktlich zu unserem verspäteten Abendessen stieß auch Maria zum zünftigen Hüttenabend mit Hausmusik hinzu. Obwohl dieser durchaus lang wurde, lies sich Sigi weder durch Augenzwinkern, noch durch „Schnapsal-Versprechen“ oder „Zwiedawurzn-Drohungen“ von der Frühstückszeit um 4 Uhr abbringen. Jedoch fasste er vorsichtshalber alle potenziellen Schlechtelaune-Kandidaten zum „Team Zwiedawurzn mit Zwiedawurzen-Führer Michael“ als Seilschaft zusammen.


Eine kurze Nacht später sitzen wir schon wieder in der Gaststube und es geht zack-zack. Für ausgiebiges „Büffetieren“ ist keine Zeit – wenn da Berg ruaft, muas ma rauf. In unserem Fall war es der Große Löffler, der lautstark gerufen hat und mit der aufgehenden Sonne einen schönen Tag versprach. Ich stolperte müde den Zustieg zum Gletscher hoch, doch im Halbschlaf vergeht die Zeit wie im Flug und als ich mich noch wunderte, wann denn dieses Floitenkees endlich beginnt meinte der Alex schon: „Du stehst o eh scho drauf!“.


Das Wetter war gut, der Restschnee noch kalt und griffig und Michael gab wieder Tempo vor – den Zwiederwurzen blieb keinerlei Gelegenheit, ihrem Ruf gerecht zu werden. Auf der Trippachscharte begegneten wir zum ersten Mal an diesem Tag weiteren Gipfelaspiranten. Wir entschieden uns für eine hohe Querung im obersten Teil des Gletschers und den Aufstieg im steilen Eis (hui, gscheid steil – guad dass so griffig war! An der Stelle bin ich dem Sigi dann doch dankbar für die eiserne Disziplin am Morgen…) mit Felspassagen – obwohl Michael wie üblich meinte, dass über den Grat im Fels „vai bessa wad“. Die übliche Fels-oder-Eis-Diskussion, die in der Hochtourengruppe Tradition zu haben scheint, erübrigte sich jedoch bald – die Eispassage endete am Grat, wo die ersten Sonnenstrahlen die letzte Müdigkeit vertrieben. Die anschließende Blockkletterei war für das Zillertal überraschend fest und so machte es richtig Spaß, die letzten Meter zum Gipfel zu kraxeln. Auf 3379 m angekommen wartete eine herrliche Aussicht, Sonnenschein pur und ein windstilles Platzerl – kann’s Leben denn noch scheena sei?! So viel Glück, das muss genossen (& begossen) werden, so verbrachten wir fast eine Stunde dort in der Sonne und testeten uns durch sämtliche Gipfelschnäpse. Bei manchen forderten Sonne, Höhe, Anstrengung, frühes Aufstehen und wohl auch der Schnapsaltest seinen Tribut und ein kleiner „Gipfelgnafaza“ wurde vom Tourenführer angeordnet. Das ließ sich der Alex nicht zweimal sagen – jeder genießt auf seine Weise. Und auch die restliche Truppe nahm ein ausgedehntes Sonnenbad, verstreut auf den vielen Blockplatten. Einzig Uschi wahrte noch Haltung auf ihrem selbsternannten „Senioren-Bankerl“. Diesen Luxus-Platz hat sie sich redlich verdient: Ich bin jedes Mal wieder beeindruckt, wenn sie und Sigi fast jeden Berggipfel im Panorama erkennen und schon droben gewesen sind. Kein Wunder, dass sie mit dem „Hochtouren-Ruhestand“ liebäugelt – ich persönlich glaube ja, dass ihr einfach die Gipfelziele ausgehen! So schee wias is, irgendwann überwog dann doch die Lust auf ein Sonnenradler vor der Hütte und so machten wir uns an den Abstieg. Die Kletterer konnten wieder mal ned anders und tatsächlich ließ sich das Eisfeld im Geröll- & Blockgelände umgehen – obs jetzt tatsächlich leichter oder schöner war, sei mal dahin gestellt. Während wir am „Materialdepot“ noch unser Seil suchten, flitzte unser Energiebündel Maria (mitm Seil am Rucksack) schon voraus (man merkt, dass ihr einfach die Bergtour am Tag davor abgeht) und kundschaftete schon mal den Weg zur Trippachspitze aus. Aber wenn sogar sie sagt: „Na, des is echt ned empfehlenswert“… Schließlich war auch beim Abstieg nochmal Konzentration gefragt, der steile Gletscher ist dafür bekannt, recht spaltenreich zu sein. Diese waren zwar noch mit Schnee bedeckt, allerdings sulzte dieser langsam auf und somit war kein Verlass mehr auf die Schneebrücken. Dennoch ging alles gut und obwohl wir uns des Öfteren fragten „Hamma mir des echt ois auffe ganga?“ kamen wir letztendlich wohlbehalten an der Hütte an, wo der Michael – wieder mal an Schritt voraus – schon das Radler bestellt hat. (So könnt ma des jetzt eigentlich immer machen…) Glücklich & zufrieden saßen wir in der Sonne, nur zwei konnten die Füße immer noch nicht still halten. Für Maria und Alex kam es gar nicht in Frage, nicht alle möglichen Gipfelziele rund um die Hütte abgearbeitet zu haben, und da der Wetterbericht für Sonntag nichts Gutes verhieß starteten sie nochmal durch. So schön die Aussicht auf dem Gigalitz gewesen ist – keiner von uns anderen konnte sich nochmal aufraffen, schließlich waren die Sonne, der Kaiserschmarrn, das Radler und auch das Matratzenlager einfach zuu verlockend.


Und so klang ein wunderbares Hochtourenwochenende mit einem weiteren gemütlichen Hüttenabend aus. Michael kämpfte sich bis zum letzten Kuchenstück durch sein Halbpensionsmenü (den Kaiserschmarrn am Nachmittag hätts ned braucht…), der Marillenschnaps schmeckte vorzüglich, das Radler floss… Und der Alex hat scheinbar beschlossen, dass an dem Wochenende nicht nur alle verfügbaren Gipfel, sondern auch die gesamte Speisekarte bezwungen werden muss und schiebt dem (durchaus schon üppigen) Hauptgang noch einen „kleinen“ Kaiserschmarrn hinterher. Ich genoss dafür die Zeit für ausgiebige Gespräche – in unserer Runde hat wirklich jeder Interessantes zu berichten. Umso schöner, dass auf den DAV-Hochtouren de „Junga“ und de „Oidn“ zusammen kommen und dabei die seltene Gelegenheit besteht, Meinungen, Gschichten und Perspektiven auszutauschen. Und so stoß‘ ma mit einer letzten Marille an – auf a wirklich feines Wochenende mit einer super Gruppe – von der man nicht ein Mitglied missen möchte! „Freilich is schee – Höhenmeter sammeln, Gipfelerfolge, Schwierigkeitsgrade steigern… Aber eigentlich is doch des was zählt: Dass abends am jedn a Lächeln ins Gsicht gschrim steht!“ denk ich mir.


Der nächste Tag wusste nicht recht, was er mit dem Wetter anstellen soll – deshalb entschieden wir uns, diesmal nach einem ausgiebigen „Büffetieren“, für den Rückzug ins Tal. An der Materialseilbahn „schau ma ned schlecht“, als da plötzlich zwei drin saßen! Der Sektionsvorstand mit Frau, na gut, „dem sei es gegönnt“ – trotzdem hat er Glück ghabt, dass er unsere Rucksäcke auch mitgebracht hat! Kurz vor dem Parkplatz duschte uns ein Platzregen nochmal sauber ab, da half alles sprinten nicht. Aber nix, was man mit Kaffee & Radler von den zwei süßesten Bedienungen im ganzen Zillertal (sie tragen lange blonde Zöpfe und kleine rosa Tshirts) nicht noch beheben konnte.


Michael holte seinen Schlafmangel auf (angeblich war es das letzte Kuchenstück, das gegen die angeknackste Rippe gedrückt hat…), ich düste mit dem blauen Bus in Richtung „Minga“ und überlegte, was ich alles in den Tourenbericht schreibe, während das „Racing-Team Bayerwald“ schon lange am Horizont verschwunden war.
Ein letztes fehlt mir hier noch: DANKESCHÖN für zwei Gipfelerfolge auf der 3000er-Liste, für die (wiedermal perfekte) Organisation, für gute Gespräche, für die Radler und Marillenschnäpse, für G’schichten und Erfahrungen, für die morgendliche Motivation, für gute Stimmung und dafür, dass i ah dabei sein durfte!

 

Bericht: Sabine G.

 

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