Hochtouren von der Hildesheimer Hütte

......auf Söldens stiller Seite.


An Fronleichnam starten wir diesmal in Richtung Ötztal mit dem Ziel einige Stubaier Gipfel im Tourenbuch eintragen zu können. Wir - das sind Erich, Sabine, Sabine, Markus, Uschi, Sigi und ich. Wir - haben auch verschlafen, naja ein Teil vom "Wir". Wir - waren deshalb spät dran und nahmen unfreiwillig an der Fronleichnamsprozession teil, indem wir im Stau standen. Irgendwann waren wir im Hüttentaxi zur Fiegl-Alm, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Wenig später packten wir auch schon unser schweres Zeug in die Materialseilbahn und gingen den leichteren der beiden Steige Richtung Hildesheimer Hütte auf 2899m. Gemütlich wars drinnen, trotzdem ging es gut gestärkt noch am selben Tag in Richtung Schußgrubenkogel (3211m). Auf jeden Fall sollten die guten Wetterabschnitte genutzt werden, da das ganze Wochenende Gewitterrisiko in der Region gemeldet war. Das Wetter hielt auch gut stand und so war der Gipfel, über leichte Blockkletterei und einem kleinen Firngrat kurz vorm Ziel, in etwa 2h auch schnell erreicht. Ab und an erhaschten wir einen Blick auf die uns umgebenden Berge, wenn sich das Wolkenkleid kurzzeitig lichtete und wir genossen unseren ersten 3000er Gipfel an diesem Wochenende.Auf der Hütte gabs dann um halb 7e das Halbpensions-Abendessen. Reichlich und sauguad, serviert vom Gustl dem Hüttenwirt, seit 27 Jahren wie er betont. Ein Hüttenwirtsoriginal und schon alleine die Tour zur "Hildesheimer" wert.

 
Am nächsten Morgen ging es früh los. 5Uhr Abmarsch war theoretisch angesagt, halb 6e is es dann praktisch geworden. Vorteil war, dass ich sogar für meine Verhältnisse ausreichend Kaffee hatte. Das Gipfelprogramm war schließlich sportlich und das Wetter unbeständig (zumindest wenn man den Wetterdiensten glaubte - da Gustl hats scho gwusst, dass das Wetter schön wird). Mit müden Beinen stiegen wir erst über den kurzen seilversicherten Abschnitt nach der Hütte wieder Richtung Schußgrubenkogel. Dann aber rechts haltend und über brüchiges Gestein auf den "Kleinen Isidor" (3189m).  Nach kurzer Gipfelrast ging es über den sehr brüchigen und unangenehm abzusteigenden Nordostrücken weiter. Im Blick bereits das nächste Ziel, die Stubaier Wildspitze. Auch sah man schon den Grat, den man wohl gehen müsste um auf diesen Gipfel zu kommen. Erich hatte die Tour am Vorgipfel schon mal abgebrochen, da das Gestein sehr brüchig war, was uns schon mal eine Warnung war. Jedenfalls verging Erich beim erneuten Ausblick auf eine Kletterei im bröseligen Gestein die Lust und gemeinsam mit Sabine und Uschi zog er vor, die Schaufelspitze in Angriff zu nehmen. Sigi, Markus, Sabine und ich wollten mal schauen, ob wir, wie vom Hüttenwirt beschrieben, nicht über die Scharte zwischen Vor-und Hauptgipfel auf den Grat gelangen konnten. Von da an sollte es gut machbar sein, wie da Gustl sagte. Ein bisschen Geröllgerutsche weiter, waren wir am Grat, wo uns wunderbare Blockkletterei am festen Fels in Richtung Gipfel führte. "Oh - wir sind schon da?!" war der fast schon enttäuschte Ausruf von Sigi beim Anblick des Gipfels auf 3341m, angesichts dessen, dass diese herrliche Kletterei noch lange so weitergehen hätte können. Wir genossen den Ausblick, die Brotzeit und den Gipfelschnaps. Beim Blick auf die östlich liegende Schaufelspitze sahen wir, dass Uschi, Sabine und Erich auch gerade die letzten Meter Richtung Schaufelspitze in Angriff nahmen. Beim Abstieg entschieden wir uns fürs Abseilen durch die brüchige Scharte. Mittag schon auf der Hütte sein wäre zwar gemütlich, aber das Bier schmeckt nochmal besser mit drei Gipfel. Auch das Gewitter war noch weit entfernt am Horizont. So ging es nach kurzer Rast und Selfi auf einem riesen Holzthron weiter Richtung Schaufelspitze, den unsere Bergfreunde bereits zuvor bestiegen hatten. Wir waren wohl etwas zu weit rechts, jedenfalls war der Anstieg im steilen Firn (bei gemessenen 43°) doch anstrengender als gedacht. Trotzdem gelang der Gipfelerfolg und wir waren in gut 30min auf der 3332m hohen Schaufelspitze. Den Abstieg wählten wir etwas weniger anstrengend, dafür steiler, über ein Firnfeld. Unser Timing war perfekt, denn kurz vor der Hütte fing es dann auch an zu regnen. Kurz vorm Essen gabs dann nochmal a Brätnhoiwe (der große Bruder vom Bredl) und a kleine Verschnaufpause bevor sich Sabine und Gustl bei der Raumbeschallung ein ziemlich ausgeglichenes Battle lieferten. Ganz wirr im Kopf, vermutlich vom Gratisschnaps des Hüttenwirts, gings dann in eine viel zu kurze Nacht, denn auch am nächsten Tag wollten wieder 3 Gipfel bestiegen werden.

 
No.1 - Zuckerhütl. Um 5e gings los - pünktlich, aber mit zu wenig Kaffee. Erst von der Hütte etwa 100hm absteigend, am See unterhalb der Hütte vorbei und weiter hinab über einen kleinen Klettersteig. Nun weiter über einige Firn- und Geröllfelder und wieder aufwärts, hoch zum Pfaffenjoch. Da seilten wir uns an und in bester Hochtourenmanier ging es dann über den Gletscher zum Sattel zwischen Zuckerhütl und Wildem Pfaff. Etwas weiter Richtung Gipfelflanke machten wir unser Materialdepot und suchten uns durch Geröll und Gesteinsblöcken kletternd den Weg zum höchsten Gipfel der Stubaier auf 3507m. Die Gipfelrast war kurz, leichter Schnee, starker Wind und Nebel machten es nicht angenehm dort länger zu verweilen. Nicht ganz, denn Uschis "Nussal" versüßten uns den Aufenthalt dann doch etwas und sorgte für Wärme von Innen. Nichts desto trotz hieß es dann Stamperl exen und nix wie runter. Das es dann so schnell nach unten gehen würde hatte ich aber nicht erwartet. Während einige Bergkameraden sich schon fast wieder zum Skidepot vorgearbeitet hatten, stieg ich weiter oben in einer Felswand weiter abwärts. Blöderweise löste sich diese Felswand genau als ich darin rumturnte. Glück im Unglück - Landung auf dem Rucksack, ein schnell reagierender Markus und ein noch schneller reagierender Schutzengel ließen das ganze glimpflich ausgehen und so gings auch gleich anschließend und unschwierig noch auf den Wilden Pfaff (3456m). Am Gipfel war dann auch die Sicht wieder besser als am Zuckerhütl und so sah man die umgebenden Hütten, den Habicht und noch einige weitere Gipfel durch die Wolkenfetzen. Außerdem sah man, dass etwas östlich vom Pfaffenjoch ein Gipfelkreuz den Pfaffenkogel (3366m) markiert, der nach der erneuten Querung des Gletschers den dritten Gipfel des Tages darstellte. Die längere Rast hatten wir uns heute verdient. Den Gipfelschnaps auch. Danach gings wieder zurück zur Hütte (Brätnhoiwe die 2.). Da der Nachmittag noch jung war, nutzte Sabine die Gelegenheit, sich von Erich den Seilflaschenzug zeigen zu lassen. Sicher gabs auch noch mehr Tipps unseres eingefleischten Alpinkletterers. Die anderen nutzten die Gelegenheit zum Ratsch, Fotografieren oder (wie in meinem Fall) sich aufs Ohr zu hauen. Nach einem weiteren Abend mit Kartenspiel und "Fach"-Gesprächen stiegen wir am nächsten Tag, nach einem ausgiebigen Frühstück ab. Diesmal den etwas steileren aber auch schöneren Weg Richtung Materialseilbahn. Leider war dann unser anschließender Spurt zur Fiegl-Alm zu langsam und so versäumten wir den Bus und ließen uns per Taxi ins Tal chauffieren. Ein leckeres Mittagessen in Sölden und ein kurzer Besuch einer "Gelateria" in Kochel bildeten dann den kulinarischen Abschluss eines super Tourenwochenendes. Was bleibt sind wie immer die Erinnerungen an wunderschöne Gipfel und eine schöne Zeit, die umso schöner ist, weil man sie mit Freuden teilt. In diesem Sinne freue ich mich schon auf unsere nächsten gemeinsamen Touren.
 
Michael

 

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