Planlos Trekking durch den Bayerwald

Und wahrlich der Name war Programm! Denn den einzigen Plan den es für diese Tour gab war, das wir, das sind Marcel und Ich, in Rohrmünz starten wollten. Das war‘s dann aber auch schon mit den Planungen.

 

Die Idee zu dieser Tour hat ihren Ursprung in meiner Kindheit. Wie wohl viele Kinder damals sah mein Tagesablauf wie folgt aus:
- Heim von der Schule
- Mittagessen
- Hausaufgaben
- Raus
Und diese „Raus“ war bei uns meisten in den Wald. Da sind wir dann kreuz und quer durch Wälder und Felder, über Forstwege und an Bächen entlang, sanfte und steile Hügel hinauf und wieder hinunter. Man hat sich von der Neugierde treiben lassen. Dort wo es interessant erschien ist man hin gelaufen. Und nicht mit Karte-Kompass oder gar GPS und Touren-Planung einen ganz bestimmten Weg entlang. Einfach immer der Nase nach! Und irgend wie hat man es immer geschafft pünktlich zum Abendessen wieder zu Hause zu sein.


Einen kleinen Dank möchte ich an dieser Stelle meinen Eltern geben, die uns als Kindern schon das Selbstvertrauen gaben, und ohne das wir wohl nicht so unbeschwert durch die Landschaft gestromert wären, wie wir es eben taten. Im Hinterkopf war stets die Gewissheit: Wenn ich mich Verlaufe und im falschen Dorf wieder raus komme, klingel ich einfach bei einem Haus und rufe Zuhause an. (für die jungen Leser: damals gab es noch keine Handys :-) „Die werden mich dann schon abholen“ war der Gedanke. Nur so neben bei: Zu einer solchen Situation ist es niemals gekommen. Unsere Orientierung in den heimatlichen Gefilden wurde durch neugieriges verlängern des Bewegungsradius immer schrittweise weiter ausgebaut, so das wir immer auf den Heimweg zurück fanden und es so rechtzeitig nach Hause schaften.

 

Nun sind wir Erwachsen und so verspürte ich den kindlichen Drang diese Erlebnisse neu zu erwecken und auf das nächste Level zu heben. Frei und ungebunden durch unsere herrliche niederbayrische Landschaft zu streifen. Sich nicht den Diktat eine Tourenplanung zu unterwerfen. Nur geleitet von Neugier und einem Hauch von Schicksal.

 

Dies war nun das dritte Jahr in Folge das ich diese Art von Tour machte. Mal mit mehr Glück mit dem Wetter mal mit weniger. Aber immer mit der Gewissheit, das wer mit Sack und Pack und einen kleinen Lächeln auf den Lippen im Bayrischen Wald unterwegs ist, sich der Freundlichkeit und der Hilfsbereitschaft der hiesigen Bevölkerung gewiss sein kann.

 

Nun, ich muss gestehen, ein klein wenig mehr an Planung bedarf es dann doch für diese Art von Unternehmung. Und zwar bei der Ausrüstung. Da sind dann doch ein Paar Unwegsamkeiten und Situationen für die man gerüstet sein möchte. Für alle Neugierigen setzte ich ans unterste Ende dieses Berichts noch meine Ausrüstungsliste. Natürlich ohne Gewähr für alle Nachahmer, das Sie damit wirklich für alle Situationen gewappnet sind. Die Ausrüstungwahl ist ja auch immer eine Frage seiner ganz persönlichen Komfortzonen und der Rest ist Schicksal.

 

Jetzt aber auf zur Tour. Los ging es also am Donnerstag (Christi-Himmelfahrt). Marcel holte mich um kurz nach 9uhr ab und wir fuhren rauf nach Rohrmünz. Das Auto geparkt, den Rucksack geschultert, eine kurzen Blick auf die Beschilderung und auf ging‘s. Erst mal Richtung Dreitannenriegel. Gefolgt vom Breitenauriegel und pünktlich zum Mittagessen und Gott sein Dank noch vor den großen Besucheransturm, am Landshuter-Haus. Das war ja an einem Tag wie diesen zu erwarten, das sich die Massen von Vatertags-Ausflüglern alle hier und Heute treffen als wäre Morgen nicht der rechte Tag für derlei Unternehmungen. Davon lassen wir uns aber nicht beirren.

 

Frisch gestärkt durch Fleischpflanzel und Hopfenkaltschale ;-) ging es weiter. Unser nächstes Ziel sollte der Geisskopf werden. Dort angekommen haben wir mit einer Mischung aus Bewunderung, Neugier und auch ein wenig Unverständnis den dortigen Treiben der Downhillbiker zugesehen. Das ist schon ein buntes Völkchen das sich da von Lift rauf tragen lässt, nur um sich im Anschluss wieder todesmutig den Abhang runter zu schmeißen. Wer sich hier als Downhiller Zeit lässt ist in 5 Minuten wieder unten. Die Profis können sich schon nach rund einer Minute wieder in den Lift setzten. Soviel zum Thema „Entschleunigung“!

 

Marcel und ich aber machen uns wieder zu Fuß auf den Weg ins Unbekannte. Und zwar in Richtung Habischried. Dort angekommen, besichtigten wir, zumindest von außen, ein kleine Kuriosität. Das Charm Hotel. Architektonisch kommt es daher wie ein außerirdisches Gebilde aus Beton unter einem pseudo- bayrischen “Schindel”-Deckmantel der das Dach und die Außenfassade sein soll. Ausgestattet mit Schwimmbad, Restaurant, Bar, Lounge, Sauna, Spa und sogar einem Kino und dennoch, präsentiert es sich uns verlassen. Es wäre wahrscheinlich ein schönes Beispiel für einen Hochschulstudenten im Studienfach Hotel-Management für ein Investitionsdesaster. Aber auch das lassen wir hinter uns und gehen noch ein Weilchen bergab bis wir uns ein schönes Fleckchen Erde für unser Nachtlager aussuchen. Und an dieser Stelle kann ich nur Jedem einmal empfehlen, der es noch nicht gemacht hat, einmal eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Es ist einfach herrlich in seinem Schlafsack auf der Isomatte zu liegen, den Geräuschen der Natur zu lauschen und in den Sternenhimmel zu schauen. Und wenn man das ganze im Frühjahr macht sind die Mücken auch noch kein Problem.

 

Am nächsten Morgen gab es eine nicht so erfreuliche Überraschung für mich. Die Sohle meines linken Bergschuhs hatte sich gelöst. Zugegeben, das die Schuhe nicht mehr die Besten waren war mir bekannt, aber das sich die Sohle dann doch so plötzlich vom Rest meines Schuhs verabschieden wollte war dann doch etwas überraschend. Egal. So wurde halt der Schuh mit allem was ich so hatte notdürftig gefickt und wir machten uns wieder auf den Weg. Nächstes Ziel: Schuhgeschäft. Mit dem nun mehr als maroden Teil an meinem Fuß schafften wir es noch bis nach Triefenried. Von dort fuhren wir einfach die Waldbahn eine Station weiter nach Regen. Denn dort gibt es, wie wir von einem freundlichen Passanten erfuhren, ein Sportgeschäft das auch Bergsportartikel hat. Und schon war das erste Hindernis des Tages auch schon gemeistert. Zur Belohnung gab es nach erfolgreichem Schuherwerb noch ein Frühstück mit heißer Schokolade und süßem Gebäck. Man gönnt sich ja sonst nichts ;-)

 

Der Weg aus Regen raus wieder in den schattenspendenden Wald zurück erwies sich ein wenig schwierig, da sich uns der dort ansässige Truppenübungsplatz in den Weg stellte und wir nicht gefahrlaufen wollten in eine laufende Übung zu geraten. Aber auch dieses Hindernis konnten wir problemlos um wandern und ließen uns dann nach einiger Zeit, die wir wieder kreuz und quer über verwinkelte Weg im Wald verbrachten, von einem Schild anlocken das uns eine Aussichtsturm versprach. Mit frischer Motivation und neuen Ziel vor Augen machten wir uns an den Aufstieg. Um kurz nach Mittag war das Ziel dann auch erreicht. Der Weg dort hin hatte uns aber mit seiner Beschilderung mit unter dann doch etwas verwirrten. Da waren mal 1,6km mal 1,3km und dann mal wieder 1,5km angegeben. Aber egal. Angekommen ist angekommen und wir musste feststellen: der Magen knurrt. Und deshalb ging es recht bald weiter. Richtung Langdorf. Dort gab es für uns im Hotel „Zur Post“ eine kühle Erfrischung und ein Brotzeitplatte für Zwei, Die locker für Vier gereicht hätte.

 

Oberhalb von Langdorf schauen ein paar Felsen heraus die sogar mit eine Gipfelkreuz versehen sind. Die mussten natürlich, nach dem reichhaltigen Mahl, erklommen werden. Wir ließen also unsere Rucksäcke unten kletterten zunächst über eine klein Spalte und dann hinauf und das ganze mit einem wohl gefüllten Magen. Kurz die doch etwas spärliche Aussicht genossen und schon ging es wieder runter und weit immer der Nase nach rein in den tiefen dunklen und angenehm kühlen Wald.

 

Unser zweites Nachtlager schlugen wir dann in der nähe von Brandten auf. Dieses war noch schöner als die Nacht zuvor. Der Boden bedeckt mit weichem Moos, lag unser neuer Lagerplatz für diese Nacht auf einer kleinen Halb-Insel. Umrahmt von einem schönen Bach, der leicht plätschernd uns sein kühles Nass darbot, das wir einfach hinein springen mussten. Sauber und sehr erfrischt von Bad, wurde das Abendessen bereitet und im Anschluss die Zeit bis zum letzten Sonnenstrahlen, wie den Abend zuvor auch, mit ein paar Runden UNO verbracht.

 

Der nächste Morgen. Wir hatten gut geschlafen. Unser Befürchtung das die Waldbahn, die sich noch am Abend zuvor trötend durch den nahe gelegenen Wald geschlängelt hatte, uns den Schlaf rauben würde, bestätigte sich Gott sei Dank nicht. Nur die Sonne weckte uns. Und das durfte Sie auch. Dem wir hatten wieder ein neues Ziel vor Augen. Schon an Abend zuvor sahen wir in einiger Entfernung einen markanten Berg in die Höhe ragen. Mit felsiger Spitze samt Gipfelkreuz. Der Ort der Begierde war der Silberberg. Doch zuerst musste noch Geschirr gewaschen und wieder alles verstaut werden. Schlafsack, Isomatte, Kleidung usw.. Nichts soll zurückgelassen werden. Nach getaner Arbeit ging es wieder Los. Erst mal Richtung Brandten. Dann ein Stückchen in Richtung Hennakobe und weiter kreuz und quer über einsame Forstwege bis schließlich rauf zum Gipfel des Silberbergs. Unterwegs gab es noch die letzten Müsliriegel zum Frühstück. Oben angekommen betrachteten wir, erschöpft aber auch glücklich, das fantastische Panorama das uns hier oben bei perfekten Wetter geboten wurden. Wir sahen zurück auf die Wegpunkte der vergangenen Tage und waren doch überrascht wie klein die Welt von hier oben aussieht. All die Orte wo wir gestern noch waren schienen zum greifen nah. Doch wenn man zu Fuß und mit reichlich Gepäck unterwegs ist bekommt die Definition einer Tagesreisen dann doch gleich ein ganz anderes Maas als wenn man sich als moderner Mensch einfach ins Auto setzt.

 

Hier oben auf den Gipfel beschlossen wir dann auf eine dritte Nach im Freien zu verzichten und statt dessen wollten wir versuchen noch heute nach Rohrmünz zurück zu kehren. Gesagt getan. Wir gingen in einer langen Schleife den Silberberg wieder hinab. Besichtigten unterwegs noch die Ruine der Vitriolölbrennerrei und waren gegen 13Uhr im Gasthaus „Altes Forsthaus“ wo wir uns mit frischem Bier und einem Wildragout belohnten. Nur 5 Minuten weiter gab es ein Waldbahn-Station und bis der nächste Zug uns in Richtung Zwiesel und weiter bis Grafling/Arzting bringen würde spielten wir einfach noch ein Runde UNO.

 

Die letzte Etappe ging also von Arzting rauf nach Rohrmünz wo noch das Auto stand. Es war ein sehr anstrengende aber auch eine der schönsten Streckenabschnitte der letzten Tage. Ein richtig schöner Pfad über Stock und Stein, durch einen felsigen Hohlweg und über sanfte Feldwege. In strahlender Spät-Nachmittagssonne erreichten wir wieder unseren ursprünglichen Ausgangsort. Zufrieden, geschafft und auch ein wenig Stolz über das geleistete der letzten drei Tage genehmigten wir uns jeder noch ein Radler und dann ging es, ganz schnöde mit den Auto, wieder nach Hause zurück in die Routine des „normalen Lebens“.

 

Zum Schluss möchte ich noch sagen: Das diese Art von planloser Tour nur so gut funktioniert, weil sie bei uns statt findet. Im recht dicht besiedeltem Deutschland wo man nicht all zu lange gehen muss bis zur nächsten Wirtschaft wenn man Hunger hat. Und weil sie hier statt findet, im Bayrischen Wald, wo man in dem meisten Bächen mal eben seine Wasserflaschen auffüllen kann, weil Sie so sauber sind wie kaum sonst wo in der Welt. Da können wir uns alle fürwahr glücklich schätzen das wir in einer solch schönen Landschaft leben dürfen!

 

Euch allen wünsche ich noch viel Freude an Euren Unternehmungen.
Ich hoffe Ihr viel Spaß beim lesen. Euer
Tobias

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Hier noch zum Schluss für alle die es interessiert meine Ausrüstungsliste:

- Rucksack ( 38l )
- Erste-Hilfeset
- Taschenmesser
- Stirnlampe
- Schlafsack (Komfortzone 11°C)
- Schlafsackinlett (Temp.-Erweiterung von 6°C)
- Isomatte (TermaRest)
- Bauplane (3x4m)
- 2Stk Edelstahlflasche (je 1l)
- 8Stk Müsliriegel
- Verpflegung (Nudeln usw.)
- Teller
- Gabel
- Esbit-Kocher (Groß)
- Feuerzeug
- Alutopf mit Deckel und Griffzange (2l)
- Regenhose
- Regenjacke
- Softshell-Jacke
- Fleece-Jacke
- Mütze
- Socken
- T-Shirt
- Long-Shirt
- Unterwäsche
- Waschzeug
- Handtuch (klein, schnell trocknend)
- Geldbeutel
- Handy
- Reepschnur (ca. 4m)
- Nadel und Faden
- Notfall Biwaksack (für 2P.)
- Fotoapparat + Wechselakku

 

Puuh. Ich glaube das war‘s.   :-)