Bericht zum Klettersteig-Kurs

Wozu an einem Klettersteig-Kurs teilnehmen? Die Ausrüstung kann übers Internet bestellen werden, ab damit in den Rucksack und los geht‘s in die Alpen. Oder doch nicht?

 

Was ist im Vergleich zum Klettern in der Halle zu beachten? Was tun, wenn in einer schwierigen Stelle eine Verschnaufpause benötigt wird? Wie verhält man sich wenn plötzlich jemand anderes Hilfe braucht?


Wegen solcher oder ähnlicher Fragen, trafen sich acht Teilnehmer am 07. Juni 2016 in der Geschäftsstelle des DAVs in Deggendorf. Nach einem ersten Kennenlernen und dem Austausch von bereits vorhanden Vorkenntnissen und Erfahrungen, gab es eine theoretische Einführung von den beiden Kursleitern Erich Binder und Hans Ströbl in kraftsparende Techniken am Klettersteig, vorrausschauende Touren-Planung und natürlich eine Übersicht der benötigten Ausrüstung. Hier wurde vor allem geklärt, welche Sicherheitsvorschriften diese erfüllen muss und welche zusätzliche Ausrüstung einem in Notsituation helfen kann. Hierzu erhielt jeder Teilnehmer Infomaterial, welches zusätzlich eine aktuelle Auflistung der Rückrufe von Klettersteigsets enthielt.


Nach dieser ersten Theorie-Einführung wurde dann in drei weiteren Treffen die Praxis am Deggenauer Klettersteig geübt. Hier war das Wetterglück auf Seiten der Teilnehmer, da die Übungen jedes Mal bei Sonnenschein durchgeführt werden konnten.


Bevor beim ersten Treffen in Deggenau, der Einstieg in die Martinswand gewagt werden konnte, war büffeln von Knotenkunde angesagt. Hier achteten die beiden Ausbilder darauf, dass diese sauber und gewissenhaft von den Teilnehmern gebunden wurden. Im Infomaterial waren zusätzlich alle wichtigen Knoten nochmals beschrieben, damit man daheim üben konnte. Doch auch die eine oder andere Eselsbrücke und der humorvolle Umgang der Gruppe untereinander halfen die Techniken zu verinnerlichen. Danach wurde das „Gipfelkreuz“ der Martinswand „erstürmt“ und sich im oben vorhandenen Gipfelbuch verewigt. Durch die Führung der erfahrenen Leiter wurden Unsicherheiten in der Technik behoben und auch bei Problemen der Trittfindung standen diese immer mit Tipps zur Seite und wurden nicht müde Schritte nochmals zu zeigen.


In der folgenden Woche wurden zu Beginn die „Hausaufgaben“ überprüft, ob die erlernten Knoten noch sitzen oder ob es noch der einen oder anderen Wiederholung benötigt. Nach bestandener Prüfung durften die Teilnehmer beim Üben des gegenseitigen Nachsicherns im Klettersteig schwitzen. Dazu wurden die einzelnen Schritte erst von den Trainern demonstriert, bevor jeder Teilnehmer selbst sich am Nachsichern versuchen durfte. Bei Unsicherheiten wurden die Schritte mehrmals wiederholt, damit der Ablauf bei jedem Teilnehmer sitzt und im Gedächtnis bleibt.


Beim letzten Treffen vor der Abschlussfahrt wurden nochmal Besonderheiten bei der Ersten-Hilfe im Klettersteig durchgesprochen. Hier wurde z.B. darauf aufmerksam gemacht, dass man nach einem Notruf mit dem Handy darauf achten sollte auch danach noch Empfang zu haben, was gerade im Gebirge nicht immer der Fall ist. Zusätzlich hatten die beiden Trainer, als kleinen Vorgeschmack für die Abschlussfahrt, einen selbst abgesicherten Klettersteig für die Kursteilnehmer vorbereitet. Dieser wurde in 2er-Paaren unter Anleitung durchstiegen. Auch hier wurde wieder nicht mit Tipps gespart und mit Rat und Tat den Teilnehmern zur Seite gestanden. Danach wurde noch die Abschlussfahrt besprochen, welche an den Klettersteig des Grünsteins am Königssee führen sollte. Dieser ist mit seinem kurzen Zustieg und Schwierigkeitsgraden von A-C in der einfachen Variante gut geeignet für Klettersteig-Anfänger.


Am 9. Juli trafen sich die Teilnehmer dann um 6:15 Uhr in Hengersberg zur Abfahrt Richtung Berchtesgaden. Die Wetterprognosen für den Tag waren recht unterschiedlich. Sie schwankte zwischen Dauerregen und leichtem vereinzeltem Regen mit Besserung zum Nachmittag und die Durchführung des Klettersteigs war somit ungewiss. Aber Hans und Erich hatten zur Not eine Alternativtour geplant und so beschloss man sein Glück zu versuchen. In Reichenhall angekommen, legte man wegen leichtem Nieselregen erstmal eine Kaffeepause ein, da im Laufe des Tages eine Wetterbesserung vorausgesagt war. Noch eine „Übung“ in Geduld für die Kursteilnehmer, auch wenn gewitzelt wurde, ob man zum Frühstücken nun so früh aufstehen musste. Doch die kurze Pause zahlte sich aus. Beim Zustieg zum Klettersteig um 10 Uhr fiel noch der ein oder andere Regentropfen, doch beim Einstieg besserte sich das Wetter und im Klettersteig kam sogar teilweise die Sonne hervor. Da die Wand Richtung Süd-Osten liegt, war es durch die Wolken sogar angenehmer als in der prallen Sonne den Klettersteig „hochzuschwitzen“. Auch der Fels war trocken und so konnte die Gruppe guter Laune den Grünstein bezwingen und wurde mit einem wunderschönen Blick auf den Königssee und der umliegenden Berglandschaft belohnt. Nur der Watzmann wollte sich nicht ganz zeigen. Neben der Unterstützung der Teilnehmer bei Unsicherheiten in der ein oder anderen schwierigen Passage, bekam man auch wieder genügend Tipps wie man bestimmte Stellen kraftsparender überwinden kann oder alternative Tritte findet an Stellen wo der Stein schon zu abgespeckt ist. Außerdem lernte man, dass durch das Erwärmen der Sohle, mittels Reiben am Stein, die Haftung des Schuhs verbessert werden kann. Zusätzlich gab es noch die ein oder andere Erläuterung der umliegenden Gipfel, welche Routen hochführen und wo gute Tourenski-Gebiete sind. Nach kurzer Rast am Gipfel und natürlichem dem unvermeidlichen Gruppenfoto, war man sich einig die Einkehr in der Grünstein-Hütte verdient zu haben, bevor der Abstieg Richtung Königssee begann.


Abschließend kann man im Namen aller Teilnehmer sagen, dass der Klettersteig-Kurs ein voller Erfolg war. Jeder Teilnehmer konnte neue Informationen und Erlerntes für sich mitnehmen, um nun sicherer und aufmerksamer die nächsten Klettersteige zu bewältigen. Die lockere Atmosphäre und die unkomplizierte Art untereinander sorgten für eine gute Stimmung und für Spaß und Freude am Üben und Lernen. Also auch hier nochmal ein Danke schön an alle Teilnehmer für die super Zusammenarbeit und natürlich ein Vergelt's Gott an die beiden Kursleiter Erich und Hans für die Zeit, die Geduld, die Unterstützung und die "Gaudi", die wir hatten.

 

Text: Tanja

 

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