Hochtouren in den Sellrainer Bergen

Hochtouren vom Westfalenhaus in den Sellrainer Bergen mit den Gipfelzielen
Schöntalspitze 3004m und  Längentaler Weißkogel 3218m  von 24. – 26. Juni 2016

 

Um 5 Uhr früh war Abfahrt angesagt für Uschi, Sabine, Heinze, Karin, Christina, Erich und Sigi.
Kathrin kam später nach, da sie ihrer Schulpflicht nachkommen musste. Ziel war das Lüsenertal im Sellrain, das nach 3 ½ Std erreicht wurde.

 

„Gewaltig viel Schnee“ sollte uns laut Hüttenwirt erwarten, an den 3000ern rund um das Westfalenhaus. Und so bewaffneten wir uns zusätzlich mit Schneeschuhen. Die Tourenziele wollten wir nach Verhältnissen und Rücksprache mit dem Hüttenwirt bestimmen.

 

Nach einer kurzen Kaffeepause im Alpengasthof in Lüsens starteten wir Richtung Westfalenhaus. Wir entschieden uns für den Winterweg, da er uns Richtung Talschluss zur Materialseilbahn leitete, der wir nach einer halben Stunde unsere Hochtourenrucksäcke anvertrauen konnten. 600Hm wanderten wir nun erleichtert durch Bergwald und bestaunten die Alpenrosenblüte. Oberhalb der Waldgrenze faszinierte der Gletscherbach, der viel Wasser führte und unruhig zu Tal rauscht. Vorbei an der idyllisch gelegenen Längentalalm, die sich im Hintergrund mit einer 3000er Kulisse schmückt, wanderten wir entlang des wild rauschenden Gletscherbachs hinauf zum bereits sichtbaren Westfalenhaus.


Bis die Letzten die Hütte erreichten, lagen die Ersten schon mit Weißbier in den Liegestühlen. Nach einer Stärkung auf der äußerst freundlich geführten Hütte, warteten wir ungeduldig auf unsere Rucksäcke, die immer noch nicht auf der Hütte eingetroffen waren. Wir machten dem Hüttenwirt ein bisschen Druck, hatten ja bei dem Traumwetter noch ein Gipfelziel vor Augen. Informationen beim Hüttenpersonal ergaben, dass die Schöntalspitze, die in zwei Stunden zu erreichen wäre, diesem Sommer wegen hoher Schneelage noch nicht bestiegen wurde. Wir entschlossen uns trotzdem, einen Versuch zu starten….


Christina blieb auf der Hütte, ihr Herz sagte „Nein“ an diesem Tag. Und so machten wir uns auf die Tour. Nach einer halben Stunde erreichten wir die sogenannte „Münsterhöhe“, ein Plateau mit herrlicher Aussicht auf die umliegenden 3000er. Nach weiteren Höhenmetern begann der Schnee, und unsere Schneeschuhe kamen zum Einsatz. Fast eben ging es, vorbei an einem eingelagerten Eissee, zu einem Kar am Südfuß der Schöntalspitze. Hier war mit den Schneeschuhen Schluss. Steil zieht sich die Rinne empor Richtung Zischgenscharte. Anstrengende Spurarbeit war angesagt… Oben hinaus etwa 45°steil, aber durch den tiefen Schnee doch sicher zu steigen.


Herrliche Aussicht auf die nahen Ötztaler Riesen gegenüber dem Ötztal erwartete uns auf der Zischgenscharte. Eine halbe Stunde kombiniertes Gelände trennte uns nun noch von der Schöntalspitze. Jeder wollte natürlich zum Gipfel, also kämpften wir uns über Felsstufen, Schnee, Block und Firngrat hinauf zum Gipfelkreuz der 3004m hohen Schöntalspitze. Ausgelassene Stimmung herrschte am räumlich begrenzten Gipfelbereich und nach einem Foto stiegen wir ab zu einem geräumigeren Vorsprung, an dem Uschi den obligatorischen Nusserlschnaps servierte und wir uns auf die geglückte Besteigung zuprosteten. Aber es stand auch noch der Abstieg bevor….


Mittels Rammpickel gesichert, konnten alle das obere steile Stück der Rinne, sicher am Seil nach unten steigen. Danach stand nur noch der lockere Abstieg bevor. Nach einem kurzen Besuch der mit Kreuz geschmückten „Münsterhöhe“, ging‘s hinab zum Westfahlenhaus, auf dem uns Christina und die mittlerweile eingetroffene Kathrin bereits erwarteten. Schnell lag der gesellige Abend hinter uns und wir gingen zeitig ins Bett.


Am nächsten Tag war um 5 Uhr früh bereits das Frühstück bestellt. Gewitterneigung und Wetterumschwung gegen Nachmittag war vorausgesagt, also keine Zeit vertrödeln…


Blauer Himmel und die Freude auf die anstehende Tour zauberten ein Lächeln in die Gesichter der Bergsteiger. Erwartungsvoll zogen wir gegen halb sechs los Richtung Talschluss des Längentals. Am Gletscher angekommen, entschieden wir uns, die Schneeschuhe zu deponieren, da die Verhältnisse zwar nicht hart, aber auch nicht zu weich waren. Diese Entscheidung sollten wir im Laufe der Tour aber noch bitter bereuen. Selbst in den 3000er Regionen sulzte der Schnee enorm auf, und das Spuren wurde zur Qual. Am Gipfelaufbau versuchte sich Sigi mit seiner Seilschaft in die Felsen zu retten, was sich aber mit Split auf den abschüssigen Platten als heikel herausstellte. Erich kämpfte sich deshalb mit seiner Truppe zum Teil knietief im Schnee weiter. Trotzdem schafften wir es alle wohlbehalten bis zum Gipfelkreuz des 3218m hohen Längentaler Weißkogel. Ein gewaltiges Panorama erwartete uns bei bestem Bergwetter. Viel zu früh brachen wir wieder auf und wir wählten die andere Seite für den Abstieg. Da im oberen Teil der steilen Gipfelflanke bereits ein Geröllriegel ausaperte, missbrauchten wir das Gipfelkreuz als Standplatz und mit Seilsicherung kamen alle sicher runter. Der Abstieg war um einiges weniger mühsam, und so waren wir verhältnismäßig schnell wieder unten bei unseren Schneeschuhen. Nach einer Pause wanderten wir die letzte Stunde zurück zur Hütte, Uschi und Sigi die Schneefelder ausnutzend mit den Schneeschuhen. Kleine Seufzer konnte man hören, wäre es doch mit den Tellern unter den Füßen beim Aufstieg um einiges kraftsparender gewesen….

 

Nach Mittag waren wir wieder zurück am Stützpunkt Westfahlenhaus. Radler und Liegestühlen warteten schon auf uns. Christina wanderte unterdessen locker zum Winnebachjoch und kam fast zeitgleich mit uns zurück.
Erichs Fußsohlen waren nach der Tour so sensibel, dass er sich beim ersten Gang barfuß über die Hüttenterrasse gleich einen Holzsplitter reingetreten hatte. Sabine hatte alle Hände voll zu tun, um ihn unter fachkundiger Aufsicht von Krankenschwester Christina raus zu metzgern.


Im Laufe des Nachmittags kam Wind auf und aus dunklen Wolken fiel etwas Regen, was wir zu einem Nickerchen in unseren Lagern nutzten.


Später nutzte Erich die Zeit und gab noch eine Unterrichtsstunde in Sachen Knoten und Mannschaftszug, bevor wir das vorzügliche Abendessen genossen. Während dessen erzählte uns Kathrin stolz, dass sie bereits ihr Tourenbuch aktualisiert hätte und nun mit dem Winnebacher Weißkogel ein weiterer 3000er drin steht. Mit einigem Gelächter stellte sich aber heraus, dass wir zwar auf einem Weißkogel standen, aber auf dem, des Längentaler.  :-)  Der Fehlinformant, der hier nicht genannt werden will, hatte sich auf den Winnebacher Weißkogel eingeschossen, da der Längentaler Weißkogel nicht mehr auf seiner Karte war… ;-)


Der nächste Tag war wolkenverhangen und so machten wir uns nach einem gemütlichen Frühstück gleich an den Abstieg. Geplant war die Rückfahrt nach Scharnitz zum gemeinsamen Mittagessen. Doch die Motoren unserer Autos waren noch nicht warm, da durchkreuzte ein Radrennen unsere Pläne…   Zwei Stunden Zwangspause mussten wir in Gries einlegen, bis auch die Nachzügler des „Transalp 2016“ durch waren. Also gab’s ein zweites Frühstück und für einige gleich im Anschluss das Mittagessen, ehe wir uns endgültig auf die Heimreise machten.

 

Ich möchte mich bei allen Teilnehmern recht herzlich bedanken, denn durch die lustige und aufgeschlossene Art werden die Hochtouren zu einem Erlebnis.

 

Bericht von: Stangl Sigi

 

 

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