Rauriser Sonnenblick Bericht

Rauriser Sonnblick 3105 m (auch Hohe Sonnblick)
und Goldzechkopf (3042 m) in der Goldberggruppe/Hohe Tauern


Überblick
Eine traumhafte Hochtour auf zwei Dreitausender im Rauristal!  Vom Parkplatz Lenzanger (1550 m) vorbei am Naturfreundehaus Kolm-Saigurn (1598 m) und dann über den Barbara–Wasserfall zur Naturfreunde Schutzhütte Neubau (2175 m). Von hier über die Rojacherhütte (2718 m) zum Zittelhaus über das Goldbergkees. Der Hohe Sonnblick (3105 m)  ist ein vergletscherter Berg des Alpenhauptkamms in der Goldberggruppe an der Grenze zwischen Kärnten und Salzburg.  Auf seinem Gipfel befinden sich das Zittelhaus und ein Wetterobservatorium. Am zweiten Tag stiegen wir zum Gletscher ab zum spaltigen Kleinfleißkees und in leichter Kletterei (I-II) zum Goldzechkopf (3042 m).

 


Unser Bergführer der Gemeinschaftstour lud uns vor der Unternehmung zu einer Vorbesprechung in die die DAV-Geschäftsstelle ein.  Leider gab es für das kommende Wochenende 05./06.09. keine gute Wetterprognose. So wurde die Fahrt verschoben. Und das zum Glück, wie sich herausstellte, weil  sich die Verschiebung auf  „schönes Wetter in den Bergen“  als gute Entscheidung herausstellte. Bereits am Dienstag gab Sigi grünes Licht für die Besteigung am 12./13.09. – und wir freuten uns auf „Wochenend  und  Sonnenschein“!
Anfahrt & Aufstieg
Den Startpunkt erreichten wir über Rauris – Kolm-Saigurn, wo am Parkplatz Lenzanger die Bergschuhe die Aufgabe der Reifen übernehmen.

 


 Nach 30 Minuten beim Naturfreundehaus Kolm-Saigurn geht´s auf den markierten Waldweg bis zum „Barbarafall“, einem rauschenden Wasserschauspiel. Im Winter verwandelt sich das Schauspiel in eine Eisarena und bietet eine Menge Möglichkeiten zum Wasserfall-Eisklettern. Dann stets bergauf, bergauf, bergauf – und nach Verlassen des Waldes betreten wir vegetationsreiche Almen. Wir queren mehrmals kleinere Wasserläufe, die das Schmelzwasser der Gletscher bringen. Es bot sich ein herrlicher Blick auf das Bergmassiv des Sonnblicks und des Hocharn. Den Aufstieg säumen Reste alter Bergbau- und Goldgräbertätigkeit. Aus dieser vergangenen Zeit  kommt man an beeindruckenden Ruinen von Knappenhäusern und am „Radhaus“ vorbei.
 Bis jetzt war der Weg leicht zu begehen, schön und abwechslungsreich. Nach einer Kaffeepause im Naturfreundehaus Neubau (2176 m), frisch renoviert mit netten Wirtsleuten, führte ein steiniger, aber in weiten Serpentinen angelegter Steig durch Wiesen, Schrofen und Blockwerk zur kleinen, aber feinen Rojacher Hütte (etwa 3 Stunden von Kolm-Saigurn, 9 Schlafplätze, bewirtschaftet). Bierchen, Radler, Hollerschorle, Gulaschsuppe mit selbstgebackenem Brot und ein fulminanter Panorama-Blick motivierten uns für den nun anstrengend werdenden Gipfelanstieg.

 


 Nun alpiner – es gab keinen wirklichen Weg mehr, sondern nur noch gut markiertes Blockwerk und Fels, wo wir einfache Kraxelpassagen bewältigen mussten; einige Stellen waren dabei durchaus ausgesetzt.  Wir entschlossen uns dann  nicht über den Südostgrat, der eine Blockkletterei, ausgesetzte gesicherte Stellen auf rutschigem Schnee bedeutet hätte, sondern für den Aufstieg über das Goldbergkees.  Über ein steiles Schneefeld und einer ausgesetzten, ungesicherten Plattenquerung erreichten wir den Gletscher. Die Spaltenzonen des Gletschers waren gut überschaubar und schneebedeckt, so dass wir ohne Seil und Steigeisen den Gipfel nach etwa 7 Stunden/1560 Höhenmetern mit entspannenden Pausen erreichten.  Sonniges Tagesziel erreicht! Die abwechslungsreiche lange Tour auf einen „3000-Klassiker“ – mit Großglockner-Panorama-Blick entlohnten uns für die Anstrengung. Und wir Mädels freuten uns über die vierte "Hexe" vor dem Hütteneingang.  Der zugebaute Gipfel mit Zittelhaus und Wetter-Observatorium beeinträchtigt ein wenig das „Gipfel-Feeling.

 


Wir hatten jedoch das Glück, nach dem Abendessen spontan an einer Führung  des Wetter-Observatoriums teilnehmen zu können. Hier erfuhren wir, dass der Hohe Sonnblick 200 Nebeltage im Jahr hat – amtlich dokumentiert! – Was sind wir doch für Sonnenkinder unter den Bergsteigern! Wir hatten einen wunderbaren Sonnentag!
Nun Rasten – Essen – Schnapseln – Ratschen – Lachen und  Vernünftig sein!
Die Hütte selbst ist schön, gut organisiert, sauber und manchmal freundlich bewirtet. Der Mitarbeiter des Observatoriums prophezeite uns „Föhnsturm“ morgens und empfahl uns einen baldigen Abstieg!
Aber wir waren doch „Sonnenkinder“!

 


 Nach einer ruhigen Nacht im 8-Bett-Lager mit „Einem leisen Schnarcher und einem Schnurrer“ – und einem üppigen guten Frühstück – blickten wir – wie nicht anders zu erwarten – morgens absolut windstill in einen überwältigenden Sonnenaufgang!
Sonnenkinder – mehr sog i ned!
 Damit fiel uns die Entscheidung leicht – über den Goldzechkopf (3042 m) mit Überschreitung zur Goldzechscharte,  den Aufstieg auf den Hocharn (3254 m) zu wagen!

 


Vom Zittelhaus aus erleichterten uns Steigeisenspuren die Routenwahl durch das kleine Labyrinth. In einem Bogen ging es dann mit einigen Spalten durchzogenen Kleinfleißkees Richtung Goldzechkopf. Nun war unser Bergführer gefordert den geeigneten Einstieg zum Goldzechkopf ausfindig zu machen, was nicht so einfach war…
Nach einem Steilaufschwung konnten wir die Steigeisen und Wanderstöcke verstauen und stiegen dann die senkrechte und sehr exponierte Südwand hoch. Die Wand war mit Eisenkrampen und Stahlseilen gesichert.  
Weiter geht’s über einen kurzen Grat in gesicherter Blockkletterei hoch, bis wir das Steinmandl auf dem 3042 m hohen Goldzechkopf geschafft hatten.  Im Anschluss schien uns der Weg hinab zur Goldzechscharte aber als  zu heikel:  es lag noch einiges an Schnee, den es am Wochenende vorher geschneit hatte. Auch der Abstieg mit Seilsicherung kam nicht in Frage.
Wir balancierten über einen Blockgrat abwärts und suchten nach einer passenden Gelegenheit ins Tal zu kommen, um die geplante Tour fortsetzen zu  können.

 


So versuchten wir einen Umweg über das Zirmsee-Tal mit leichten Blockpassagen und teils kippeligen Blöcken. Unser Bergführer war gefordert die geänderte Route mit der gegebenen Situation zu meistern. Eine Abseilpassage in verblocktem und geröllligem  Fels kostete uns wertvolle Zeit und wir entschieden uns vernünftigerweise, wieder zum Zittelhaus aufzusteigen, und über die bekannte Route abzusteigen.  Nun war uns auch der Wettergott nicht mehr wohlgesonnen und vernebelte uns die Sicht. Die Gletscherpassagen überquerten wir nun wegen der offenen Spaltengefahr in zwei Seilschaften.  Auch der angekündigte „Föhnsturm“ setzte ein.

 


 Trotz allem, waren wir Sonnenkinder – wir hatten jetzt Rückenwind, der uns über die Schnee- und Eisfelder beflügelte. Jedoch beim Abstieg am Fels, auf leichten Gratpassagen die Unternehmung in ein „gefährlich - windiges“ Abenteuer  verwandelte. In Sturmstärke peitschte der Wind und wir bewältigten die ausgesetzten Gratpassagen teilweise  nur noch krabbelnd.  Laut Webcam soll es eine Windgeschwindigkeit am Zittelhaus von über 90 km/h gegeben haben!
Auf der Rojacher Hütte gönnten wir uns ein kleines verdientes Päuschen – in der unser Bergführer meinte „Oiso bei so am Wind, war i a na nia in de Berg unterwegs“! Das mag was heißen, weil Sigi schon über 25 Jahren in den Bergen unterwegs ist!
Ein letztes Mal kehrten wir in der Neubauhütte ein und ließen uns mit Kaffee, Bierchen, Cola, Radler, Kaspressknödel, Apfelstrudel und Schnapserl verwöhnen. Was für eine aufregende Tour!! Und wir  waren uns  einig – trotz der großen Anstrengung hat uns die Unternehmung sehr viel Spaß gemacht!

 


 Ein großes Dankeschön an unseren Bergführer und Organisator Sigi! Wir hoffen auf weitere schöne Bergerlebnisse und Hochtouren von und mit Dir, auf denen wir uns bewähren dürfen!
Ein großes Dankeschön auch an uns – und unsere Konditionsstärke!
 Das war eine großartige Tour mit einem super Team!
…und mit Sigi´s Worten „War a super Team und a klasse Ausflug!“ ;)
 …unser Team hieß übrigens Uschi, Stefan, Sabine, Heini, Heinze und Karin und Sigi natürlich!

 

Bericht von Sabine

 

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