Hochtourenkurs Teil 1 (2015)

Hochtourenkurs Teil 1 auf der Braunschweiger Hütte vom 01.08. – 04.08.2015/ DAV Deggendorf


mit 14 Teilnehmer
Ausbilder:  Hans Bredl, Erich Binder, Hans Ströbl u. Sigi Stangl

 

 

Für unsere 4-tägige Gletscherausbildung liefen die Vorbereitungen schon im Vorfeld auf Hochtouren. Beim ersten Treffen in der Hochwaldhütte hatten wir die Möglichkeit uns kennen zu lernen und die ersten Fragen zur Ausrüstung zu klären. Bei einem zweiten Treffen in der Sektion konnten wir gemeinsam sämtliche organisatorische Angelegenheiten, wie die Aufteilung in Fahrgemeinschaften, in Ruhe besprechen. Und dass wir uns vorab auch schon mit dem Thema inhaltlich vertraut machen konnten, hatten wir ein Heft mit ausführlichen Informationen zum Grundwissen Gletschertouren erhalten. Somit waren wir bereits zu Beginn unserer Ausbildung mit Informationen bestens ausgestattet und konnten erahnen, was uns oben auf dem Berg erwartete.

 

Los ging es dann am 01.08. in Deggendorf um 5 Uhr in der Früh. Fünf Autos, vier Trainer und 13 Teilnehmer. Einen kleinen Zwischenstopp gab es in München, um die 14. Teilnehmerin einzusammeln. In Mittelberg angekommen, erleichterte uns die Materialseilbahn, wo wir unser Gepäck abgaben, den ca. 3-stündigen Aufstieg auf die 2759 Meter hoch gelegene Braunschweiger Hütte. Das Wetter war eher bescheiden, aber wir hatten Glück und es regnete nicht. Während des Aufstiegs mit seinen rund 1000 Höhenmetern konnten wir den herab prasselnden Wasserfall bestaunen. Auf der Hütte zur Mittagszeit angekommen, stärkten wir uns mit einer Spezialität des Hauses: Kaspressknödelsuppe. Hinter der Hütte hatten wir dann unsere erste Lehreinheit: Ausrüstungskontrolle, Knotenkunde mit Einbinden am Gletscher und Anpassen der Steigeisen. Danach erfuhren wir einiges über das Thema Akklimatisation - vier von uns hatten auch schon ihre eigenen Erfahrungen mit der Höhenkrankheit gemacht. Schnell wurden wir mit dem Pulsoxymeter zur Messung des Fingerpulses und der Sauerstoffsättigung vertraut gemacht. So durften wir jeden Morgen und Abend beim Essen unseren Puls überprüfen. Dafür erhielten wir auch ein Protokoll, das wir brav immer wieder aktualisierten.

 

Da das Wetter am nächsten Tag weiterhin sehr regnerisch und neblig war – wir sahen keinen Berg und keinen Gletscher - stellten wir unser Programm um: nach dem Frühstück lernten wir einiges über den Aufbau eines Gletschers und über das notwendige Material mit seinen Normen und Voraussetzungen. Für das Planen eigenständiger Gletschertouren erfuhren wir einiges über das Kartenlesen und den Gebrauch von Kompass und GPS. Am frühen Nachmittag ging es wieder hinter die Hütte: Jeder von uns spielte die Szenarien Abseilen, Selbstrettung mit Hochprusiken und den Mannschaftszug durch. Müde von der Kälte wärmten wir uns in der Hütte auf und ließen uns von der feinen Küche verwöhnen. Dann kam endlich die Sonne und erlaubte uns einen herrlichen Blick auf den Karlesferner Gletscher. Und dann kamen wir! So zogen wir neugierig auf den Gletscher hinaus und probierten unsere ersten Übungen mit Steigeisen, den Umgang und das Gehen mit Eispickel. Auch Setzen von Eisschrauben und Standplatzbau im Eis standen auf dem Tagesprogramm. Wir waren so begeistert und vertieft in unsere Übungen, dass wir ganz die Zeit aus den Augen verloren und zu spät zu unserem Abendessen auf der Hütte eintrafen.

 

Am Montag konnten wir gleich all das, was wir schon gelernt hatten, anwenden: Um 6:30 Uhr gingen wir nach dem Frühstück in vier Seilschaften auf den Linken Fernerkogel (3277 Meter). Für viele von uns der erste 3000er. Spannend für uns war die Überquerung von zwei Spalten, wobei wir auch gleich noch das Sichern mit Pickel und Halbmastwurf kennen lernten und selber sofort ausprobieren konnten. Am Gipfel angekommen, hatten wir bei Sonnenschein besten Blick auf die Wildspitze, der höchste Berg Tirols. Auch auf die Pitztaler Skigebiete sahen wir herab, deren große Liftanlagen im Sommer einen als Skifahrer zum Nachdenken anregten. Auf dem Gipfel – es ging kaum Wind – erholten wir uns mit einer deftigen Brotzeit, einem Gruppenfoto und einem Gipfelbucheintrag. Der Abstieg war gegenüber dem Aufstieg eine ziemlich sulzige Angelegenheit. Diesmal zogen wir noch näher an einem beeindruckenden Gletschermaul vorbei. Bereits vor unserer Ankunft am Fuße des Gletschers wussten wir, was uns erwartete: das Bauen eines T-Ankers und die lose Rolle, um jemanden aus der Gletscherspalte zu bergen. Bevor jeder von uns sämtliche Positionen in der Seilschaft bei der Spaltenbergung durchspielte, demonstrierten und erklärten die vier Trainer das ganze Procedere. Danach hatten wir unseren Apfelstrudel, Kaiserschmarrn und einen kräftigen Cappuccino auf der Hütte verdient!

 

An unserem letzten gemeinsamen Vormittag durften wir uns bei Sonnenschein auf dem Gletscher im Fallen erproben. Fallen am Schneehang: ohne Steigeisen und zunächst ohne Eispickel auf Bauch- und Rückenalge vorwärts wie rückwärts. Und zuletzt mit dem Eispickel. So richtig wollten wir mit dem Rutschen gar nicht aufhören, aber das Ende des Kurses nahte und so zogen wir gemeinsam zum gemeinsamen Mittags-Abschieds-Essen auf die Braunschweiger Hütte zurück, bevor jeder von uns in seinen Fahrgemeinschaften den Abstieg ins Tal antrat.

 

Unser Fazit: Schee war´s, tolle Gruppe, sehr engagierte Trainer, stets auf die individuellen Bedürfnisse von uns eingegangen, immer ein offenes Ohr für Fragen und sehr informativ!

 

Text: Franzi Hirt
Fotos: Teilnehmer

 

weitere Fotos folgen... 

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